Mit welchem Garn kann man Gobelin sticken?

Ein Leitfaden zu Wolle, Baumwolle und teilbarem Stickgarn 🧵

Beim Gobelinsticken bekommt oft das Motiv die meiste Aufmerksamkeit – dabei ist das Garn mindestens genauso wichtig. Dasselbe Bild kann mit Wolle, Baumwolle oder teilbarem Stickgarn ganz unterschiedlich wirken. Die Stärke, der Glanz, die Deckkraft und die Handhabung des Garns beeinflussen stark, wie der fertige Gobelin am Ende aussieht.

In diesem Beitrag schauen wir uns an, welche Garne sich zum Gobelinsticken eignen, worin sich die gängigsten Garnarten unterscheiden und wie viele Fäden man bei normalem Gobelinstoff und bei feinem Gobelinstoff verwenden sollte.

Warum ist die Wahl des Garns so wichtig?

Das Garn füllt nicht nur das Muster aus, sondern bestimmt auch die Oberfläche und die Ausstrahlung des Bildes. Manche Garne wirken weicher, wärmer und matter, andere geben dem Bild eine glattere, glänzendere oder detailreichere Optik.

Bei Gobelinarbeiten wird auf einem gleichmäßig gewebten, durchlässigen Stoff gestickt. Die Garnstärke sollte immer zur Dichte des Stoffes passen. Für gröbere Stoffe mit größeren Löchern eignen sich dickere Garne, für feinere Stoffe mit kleineren Löchern eher dünnere Garne.

Ist das Garn zu dünn, kann der Stoff zwischen den Stichen sichtbar bleiben. Ist es zu dick, lässt es sich schwer durchziehen, kann den Stoff verziehen und das Bild zu dicht oder ungleichmäßig wirken lassen.

Welche Garne eignen sich zum Gobelinsticken?

Für Gobelin können verschiedene Garnarten verwendet werden. Am häufigsten sind:

Wollgarn
Baumwollgarn
Teilbares Stickgarn

Mit allen drei Garnarten lassen sich schöne Gobelinbilder gestalten, aber jede wirkt etwas anders.

Wolle ergibt eine traditionelle, warme und etwas vollere Oberfläche. Baumwolle wirkt glatter, gleichmäßiger und weniger fusselig. Teilbares Stickgarn ist besonders praktisch, weil man die Anzahl der Fäden an die Stoffdichte anpassen kann.

Wollgarn: klassisch, voll und warm in der Wirkung

Wollgarn gehört zu den traditionellen Materialien für Gobelinarbeiten. Besonders schön wirkt es auf normalem Gobelinstoff mit größeren Stichen. Es ergibt eine volle, weiche und eher matte Oberfläche und passt sehr gut zu klassischen Blumenmotiven, Landschaften oder Bildern im antiken Stil.

Der Vorteil von Wolle ist ihre gute Deckkraft. Sie verleiht dem fertigen Bild eine angenehme Fülle und betont den textilen Charakter der Arbeit.

Der Nachteil: Wolle kann relativ dick sein. Auf sehr feinem Gobelinstoff lässt sie sich daher oft schwerer verarbeiten. Für feine Gobelinarbeiten mit sehr kleinen Löchern ist sie meist nicht die bequemste Wahl.

Wann ist Wollgarn ideal?
Wenn du einen klassischen, weichen und vollen Gobelin-Effekt möchtest, besonders auf normalem Gobelinstoff.

Baumwollgarn: glatt, haltbar und angenehm zu verarbeiten

Auch Baumwollgarn ist eine beliebte Wahl für Gobelinarbeiten. Es fusselt weniger als Wolle und sorgt dadurch für eine klarere, glattere Oberfläche. Die Farben wirken oft frisch und lebendig, und Baumwolle ist in vielen Stärken erhältlich.

Baumwolle eignet sich besonders gut, wenn dir ein gleichmäßiges, ordentliches Gesamtbild wichtig ist. Sie kann moderne Motive, helle Farben und detailreichere Muster sehr schön zur Geltung bringen.

Wenn das Baumwollgarn jedoch zu dünn ist, kann der Stoff zwischen den Stichen sichtbar bleiben. Deshalb sollte auch hier die Garnstärke immer zur Stoffdichte passen.

Wann ist Baumwollgarn ideal?
Wenn du eine glatte, saubere und weniger fusselige Oberfläche möchtest.

Teilbares Stickgarn: flexibel für verschiedene Stoffdichten

Teilbares Stickgarn besteht aus mehreren dünnen Einzelfäden, die man voneinander trennen kann. Ein klassisches Stickgarn besteht zum Beispiel oft aus 6 einzelnen Fäden.

Das ist beim Gobelinsticken sehr praktisch, denn nicht jeder Stoff benötigt dieselbe Garnstärke. Bei gröberem Stoff braucht man mehr Fäden für eine gute Deckung, bei feinerem Stoff reichen weniger Fäden aus.

Teilbares Stickgarn kann besonders bei feinen Gobelinarbeiten oder detailreichen Motiven sehr schön wirken. Man muss allerdings etwas sorgfältiger arbeiten, da sich die einzelnen Fäden leichter verdrehen oder ungleichmäßig legen können.

Wann ist teilbares Stickgarn ideal?
Wenn du die Garnstärke flexibel anpassen möchtest oder auf feinerem Stoff stickst.

Warum ist die richtige Garnstärke so wichtig?

Die Garnstärke ist einer der wichtigsten Punkte beim Gobelinsticken. Sie beeinflusst nicht nur, wie leicht sich sticken lässt, sondern auch, wie gut die Stiche den Stoff bedecken.

Ist das Garn zu dünn, bleibt der Stoff sichtbar. Das Bild wirkt weniger voll, die Farben können blasser erscheinen und der aufgedruckte Untergrund kann durchscheinen.

Ist das Garn zu dick, lässt es sich schwer durch den Stoff ziehen. Die Stiche können sich stauen, der Stoff kann sich verziehen und die Rückseite kann zu dick werden. Das kann später auch beim Einrahmen stören.

Die richtige Garnstärke erkennt man daran, dass die Stiche den Stoff schön bedecken, ohne ihn zu verformen. Das Garn sollte leicht durch die Löcher gleiten und gleichmäßig auf der Oberfläche liegen.

Wie beeinflusst das Garn das Aussehen des fertigen Bildes?

Das Material und die Stärke des Garns können die Wirkung des fertigen Gobelins deutlich verändern.

Wolle wirkt wärmer, klassischer und weicher. Die Oberfläche erscheint voller, die Farben oft tiefer. Das passt sehr gut zu historischen Motiven, Landschaften, Blumen und religiösen Bildern.

Baumwolle wirkt klarer, glatter und ordentlicher. Da sie weniger fusselt, können Details schärfer erscheinen. Besonders bei modernen Motiven, hellen Farbtönen und feinen Übergängen kann Baumwolle sehr schön wirken.

Teilbares Stickgarn ist besonders vielseitig. Durch die Anzahl der verwendeten Fäden kann man die Deckkraft verändern. Das ist ein großer Vorteil, erfordert aber etwas mehr Aufmerksamkeit beim Sticken.

Garn ist also nicht nur eine technische Entscheidung. Es gibt dem Bild auch seine Stimmung.

Wie viele Fäden braucht man bei normalem Gobelinstoff?

Normaler Gobelinstoff hat meist eine Dichte von 44 Stichen / 10 cm. Das entspricht ungefähr 11 Stichen pro Inch, also 11 Stichen auf 2,54 cm.

Bei dieser Stoffdichte sind die Löcher größer, deshalb braucht man ein dickeres Garn oder mehrere Fäden, um eine gute Deckung zu erreichen.

Als allgemeine Orientierung gilt:

Bei Gobelin-Wollgarn reicht meist 1 Faden, wenn es sich um ein geeignetes, ausreichend dickes Wollgarn handelt.
Bei stärkerem Baumwollgarn reicht häufig ebenfalls 1 Faden.
Bei teilbarem Stickgarn wird meistens der ganze Fadenstrang verwendet, also 6 Fäden.

Wichtig: Die genaue Fadenzahl hängt immer von der Marke, der Garnstärke, der Stickweise und auch davon ab, wie fest du stickst. Deshalb lohnt sich vor dem Start immer eine kleine Probe. Wenn der Stoff sichtbar bleibt, brauchst du entweder ein dickeres Garn oder mehr Fäden.

Wie viele Fäden braucht man bei feinem Gobelinstoff?

Feiner Gobelinstoff hat eine Dichte von 88 Stichen / 10 cm. Das entspricht ungefähr 22 Stichen pro Inch. Die Stiche sind also deutlich kleiner und feiner.

Hier sorgt nicht ein dickes Garn für ein schönes Ergebnis, sondern ein feineres, genaueres Arbeiten. Zu dickes Garn lässt sich nur schwer durchziehen, kann den Stoff verziehen und die Oberfläche zu massiv machen.

Als allgemeine Orientierung gilt:

Dickeres Wollgarn ist für feinen Gobelinstoff meist nicht ideal.
Feineres Baumwollgarn kann oft mit 1 Faden verwendet werden.
Teilbares Stickgarn wird meistens mit 2–3 Fäden verarbeitet, je nach gewünschter Deckkraft und Garnstärke.

Bei feinem Gobelinstoff ist eine Probe besonders wichtig. Sticke ein paar Stiche am Rand oder an einer unauffälligen Stelle und prüfe bei Tageslicht, ob die Deckung schön ist und das Garn nicht zu dick wirkt.

Kurze Hilfe zur Fadenwahl

Normaler Gobelinstoff, 44 Stiche / 10 cm:

  • Gobelin-Wollgarn: meist 1 Faden
  • stärkeres Baumwollgarn: meist 1 Faden
  • teilbares Stickgarn: meist 6 Fäden

Feiner Gobelinstoff, 88 Stiche / 10 cm:

  • dickes Wollgarn: meist nicht ideal
  • feineres Baumwollgarn: meist 1 Faden
  • teilbares Stickgarn: meist 2–3 Fäden

Die sicherste Methode ist immer eine kleine Stickprobe.

Warum sollte man nicht mit zu langem Garn arbeiten?

Viele Anfänger schneiden das Garn sehr lang ab, weil sie denken, dass sie dann seltener einen neuen Faden beginnen müssen. In der Praxis macht ein zu langer Faden die Arbeit aber oft schwieriger.

Langes Garn verknotet sich leichter, verdreht sich schneller, fusselt stärker und nutzt sich beim Durchziehen durch den Stoff schneller ab. Je öfter derselbe Faden durch den Stoff gezogen wird, desto mehr wird er beansprucht.

Außerdem bleibt ein langer Faden leichter an Kleidung, Tischkanten oder der Arbeit selbst hängen. Das kann das Sticken verlangsamen und unnötige Knoten verursachen.

Besser ist eine mittlere, gut handhabbare Länge. Der Faden sollte lang genug sein, damit du bequem arbeiten kannst, aber nicht so lang, dass er sich ständig verdreht oder verknotet.

Worauf solltest du bei der Garnwahl achten?

Überlege vor dem Sticken immer, auf welchem Stoff du arbeitest, welche Wirkung du erzielen möchtest und wie detailreich das Motiv ist.

Bei normalem Gobelinstoff mit größeren Löchern ist eine gute Deckung besonders wichtig. Hier eignen sich Wolle, stärkeres Baumwollgarn oder teilbares Stickgarn mit mehreren Fäden.

Bei feinem Gobelinstoff ist die Feinheit wichtiger. Hier sind dünnere Baumwollgarne oder weniger Fäden vom teilbaren Stickgarn oft die bessere Wahl.

Achte immer darauf, ob das Garn gut deckt, gleichmäßig liegt und sich leicht durch den Stoff ziehen lässt. Wenn du bei jedem Stich Kraft aufwenden musst, ist das Garn wahrscheinlich zu dick. Wenn der Stoff deutlich sichtbar bleibt, ist es zu dünn.